Keine Einigung bei der ersten Runde der Papiertarifverhandlungen 2020

Kein konkretes Angebot der Arbeitgeber - Aufruf zu Aktionen in den Betrieben

Die bundesweiten Tarifverhandlungen für die 40.000 Beschäftigten in der Papier-Industrie sind in der ersten Runde ohne Ergebnis geblieben. Bei den heutigen Gesprächen (9. September) in Hannover legten die Arbeitgeber kein konkretes Angebot vor und reagierten mit Unverständnis auf die Forderungen. Im Bezirk München finden nun wie bundesweit Aktionen statt, um die Forderungen zu untermauern, unter Anderem bei Neenah Gessner, UPM, Heinzel Paper, Leipa und der Papierfabrik Louisenthal.

IGBCE

Tarifaktion bei Neenah Gessner in Weidach Tarifaktion bei Neenah Gessner in Weidach

Der Fachkräftemangel in der Papierindustrie wird sich durch die Pandemie nicht lösen. Die Branche muss wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Frieder Weißenborn, Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Nach zähen Gesprächen betont er, dass die systemrelevante Arbeit der Beschäftigten in der Corona-Krise wertgeschätzt werden müsse. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben haben die Wertschöpfungskette während des Lockdowns aufrechterhalten.“

Die IG BCE fordert, die Vergütungen um einen Prozentsatz anzuheben, der einer realen Einkommenserhöhung mindestens den Inflationsausgleich sichert. Außerdem will sie eine Sonderzahlung in gleicher Höhe für alle Beschäftigten für die Leistungen in der Corona-Pandemie durchsetzen. Diese Zahlung soll entweder ausgezahlt, für die tarifliche Altersvorsorge genutzt oder in freie Tage umgewandelt werden können.

Außerdem sollen die Verhandlungen für einen einheitlichen Entgeltrahmentarifvertrag fortgeführt und abgeschlossen werden. Dieser soll die Differenzierung zwischen Löhnen und Gehältern ablösen, um eine Gleichstellung von qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen. Weißenborn unterstreicht: „In der Hightech-Branche Papier müssen wir endlich zukunftsorientierte Einkommensstrukturen schaffen. Das ist längst überfällig.“

Die Voraussetzungen in der papiererzeugenden Industrie sind sehr unterschiedlich. In einigen Unternehmen läuft es sehr gut, andere sind seit Monaten in Kurzarbeit: Während die Toilettenpapierhersteller zum Beispiel durch die Corona bedingten Hamsterkäufe bisher ein außergewöhnlich gutes Jahr verzeichneten, hatten die Hersteller von Foto-Spezialpapier zu kämpfen, weil in diesem Jahr weniger Menschen reisen und dementsprechend seltener ihre Urlaubserinnerungen auf Fotopapier ausdrucken.

Die Branche ist sehr divers: Rund 3000 verschiedene Papiersorten gibt es, unterteilt in vier Bereiche. Mehr als die Hälfte aller produzierten Papiere sind für Verpackungen. Grafische Papiere machen mit Zeitungen und Zeitschriften rund 32 Prozent aus. Hygienepapiere, also etwa Toilettenpapier und Küchenrolle, haben einen Anteil von sieben Prozent an der Gesamtproduktion. Zu technischen und Spezialpapieren (sechs Prozent an Papierproduktion) zählen zum Beispiel Papiere für Etiketten, Teebeutel oder Zigaretten.

Die zweite Verhandlung findet am 24. und 25. September in Potsdam statt.

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